Qigong als Burnout-Prophylaxe

In meiner Mater Thesis entwickelte ich ein Modell, das die Phasen des Burnout-Syndroms aus TCM-Sicht erklärt. Aufbauend auf diesem TCM-Burnout-Modell erarbeitete ich eine einfache Qigong-Serie zur Burnout-Prophylaxe, die speziell auf die sieben Kategorien bzw. Phasen des Burnout-Syndroms abgestimmt ist.

Die Qigong-Serie basiert dabei auf dem Burnout-Modell von Dr. Burisch, auf traditionellen Qigong-Übungen, den Erkenntnissen der TCM und meinen persönlichen Erfahrungen mit Qigong als Hilfe bei meinem eigenen Burnout.

Selbstverständlich ersetzt Qigong bei auftretenden, beunruhigenden Symptomen weder den Besuch einer Ärztin bzw. Psychologin noch eine etwaige verordnete Therapie, oder gar grundlegende Änderungen im Leben. Dieser Übungszyklus ist einerseits als Burnout-Prophylaxe, andererseits als Unterstützung im Genesungsprozess bzw. Ergänzung zur jeweils empfohlenen Therapie bzw. Änderung der Lebensumstände gedacht.

Vorneweg: Aus meiner Sicht wäre es notwendig, dass  Arbeit- bzw. Gesetzgeber die Lebens- und Arbeitsbedingungen dort verändern, wo Erschöpfung und Burnout vorprogrammiert sind. Alle Belastungen lassen sich allerdings nicht fern halten. Auch private Erfahrungen, Überzeugungen, Ansprüche an sich selbst, sowie innerliche und äußerliche Bedingungen (z.B. Scheidung) können zu einem Burnout-Syndrom führen. Wie so oft gibt es auch zu dieser Thematik einen Yang-Zugang (Änderung der äußeren Umstände) und einen Yin-Zugang (Änderung der inneren Zustände).

Es würde mich sehr freuen, falls ich mit diesem Qigong-Zyklus einen kleinen Beitrag leisten könnte, dass Betroffene wieder Kraft und Hoffnung schöpfen und womöglich sogar die Energie finden, sich – trotz möglicherweise widriger, belastender Umstände – für ein lebenswertes, glückliches, freies Leben einzusetzen.

Download (PDF)

 

Qigong-Serie zur Burnout-Prophylaxe: aufblühen statt ausbrennen

Bewegung: Jede Übung ( 1 bis 7 – siehe Fotos und Übungsbeschreibung weiter unten) einmal langsam ausführen bzw. in dem Tempo, in dem es sich im Moment richtig anfühlt.

Variante: Natürlich kannst du einzelne Übungen oder auch den gesamten Ablauf mehrmals ausführen, wenn du Zeit und Lust hast. Du kannst auch nur eine Übung heraus nehmen und diese üben, wenn du das Gefühl hast, diese tut dir gerade besonders gut. Sinnvoll ist es in diesem Fall, als Einstieg bewusst in die Grundhaltung zu gehen (Übung 1), dann die ausgewählte Übung einige Male zu wiederholen und mit der Abschlussübung (Übung 7) zu enden.

Atem: Durch die Nase ein- und ausatmen. Bauchatmung: Beim Einatmen wölbt sich der Bauch ganz natürlich leicht nach außen, beim Ausatmen zieht er sich wieder natürlich leicht nach innen. Atemrhythmus: Den Atem intuitiv frei fließen lassen.

Vorstellung: Du sammelst mit jeder Übung frische Lebensenergie (=Qi) und harmonisierst die Meridiane (=Energieleitbahnen).

Viel Freude mit den Übungen!

Übung für Phase 1: das Yin nähren und einen Yin-Yang-Ausgleich schaffen

Grundhaltung: aufrecht stehen. Der Rücken ist lang, Kopf, Schultergürtel, Becken und Füße sind im Lot.

Ein gesundes Yin schenkt laut TCM Ruhe, innere Kraft, Harmonie, tiefen, erholsamen Schlaf, Gelassenheit, tiefe Entspannung und die Fähigkeit, loszulassen.

Übung für Phase 2: das Metall-Element harmonisieren

Kleine Qi-Sammlung vor dem Dantian (= Energiezentrum im Unterbauch), große Qi-Sammlung vor dem Akupressurpunkt Lunge 1 (ein Daumenbreit unterhalb des Schlüsselbeins), um den Lungenmeridian ins Gleichgewicht zu bringen. Dazu die Hände in einer kleinen Kreisbewegung vor das Dantian bringen, danach mit einer großen, sammelnden Kreisbewegung vor die Brust bringen, als würde man einen Energie-Ball halten.

Die Harmonisierung des Lungenmeridians kann

  • das gesunde Selbstvertrauen
  • die Harmonie mit der Umwelt
  • die Fähigkeit zu geben und zu nehmen
  • liebevolle Verbindungen mit sich selbst und anderen und das
  • Immunsystem stärken.

Das gesunde Metall-Element kann über den Kontrollzyklus das Holz-Element positiv beeinflussen.

Übung für Phase 3: das Holz-Element harmonisieren

Die Hände von Akupressurpunkt Leber 14 ausgehend (unterhalb der Brustwarze auf Höhe des sechsten ICR) nach vorne führen, als würde man etwas wegschieben.

Die Harmonisierung des Leber-Meridians kann

  • Gelassenheit
  • Entspannung
  • Toleranz
  • Kreativität
  • Ausgeglichenheit

schenken.

Ein harmonisches Holz-Element ist eine wichtige Grundlage für ein gesundes Erde-Element.

Übung für Phase 4: das Erde-Element harmonisieren

Die Handrücken aneinanderlegen und über die Mitte des Körpers nach oben bringen, die Hände in einer runden Bewegung nach vorne und unten führen.

Die Übung harmonisiert laut TCM den Magen- und Milz-Meridian. Das kann zu mehr Erdung, innerer Ruhe, Energie, Konzentrationsfähigkeit, Klarheit und Kreativität führen.

Ist das Erde-Element genährt, ist das eine gute Unterstützung für ein kraftvolles Wasser-Element.

Übung für Phase 5: das Wasser-Element harmonisieren

Die Arme weit ausbreiten, als möchte man einen großen Ball umarmen, in einer runden Bewegung zusammen und zum Körper führen, mit den Handrücken über den Rücken und über die Rückseite der Beine streichen. Dabei Wirbel für Wirbel abrollen.

Die Harmonisierung des Blasen-Meridians durch diese Übung kann laut TCM die Urkraft (= das Jing), das Urvertrauen und die innere Ruhe stärken.

Ein kraftvolles Wasser-Element sorgt über den Kontrollzyklus für ein gesundes Feuer-Element.

Übung für Phase 6: das Feuer-Element harmonisieren

Die Arme nach oben öffnen, wie eine Blume, die ihre Blätter zur Sonne hin öffnet. Anschließend die Handteller vor dem Herzen aneinanderlegen.

Die Harmonisierung des Feuer-Meridians durch die Übung kann laut TCM Lebensfreude und Begeisterung entfachen und das Herz öffnen, den Kontakt zu den Liebsten vertiefen.

Die Harmonie der fünf Elemente ist eine gute Basis für ein gesundes Yang.

Übung für  Phase 7: das Yang nähren und Yin und Yang harmonisieren

Die Arme weit über die Seiten nach oben ausbreiten und vor dem Körper wieder sinken lassen.

Ein gesundes Yang schenkt laut TCM u. a. frische Energie, Selbstvertrauen, Motivation, Lebenskraft, freudvolle Aktivität, Begeisterung und Lebenslust.

Idealerweise gönnst du dir nach dem Zyklus ein wenig Zeit, um die Übungen nachwirken zu lassen.

Möchtest du diese Qigong-Serie in einem Seminar erlernen?

Diese Qigong-Serie zur Burnout-Prophylaxe unterrichte ich beim IQTÖ-Kongress in Linz (17.-19. März 2019). Vielleicht sehen wir uns ja dort?

Qigong als Werkzeug zur Burnout-Prophylaxe

Qigong, eine zentrale Säule der TCM, ist eine Methode, die es dem Einzelnen ermöglicht, zusätzlich zur ärztlichen Behandlung selbstständig aktiv die eigene Gesundheit zu schützen und zu pflegen. Das wiederum stärkt das Gefühl der Selbstwirksamkeit, ein wichtiges Werkzeug in der Therapie des Burnout-Syndroms.

Da Qigong von jedem erlernt und praktiziert werden kann, unabhängig von Alter, Bildung und Gesundheitszustand, könnte es somit eine weit gefasste Gesundheitsvorsorge darstellen.

Sinnvoll wären – neben der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen – Qigong-Übungseinheiten in Schulen, Kindergärten, Unternehmen, Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäusern etc., um dieses wertvolle Instrument der Gesundheitsvorsorge einem breiten Publikum zugänglich zu machen und somit dem Burnout-Syndrom von vornherein wenig Angriffsfläche zu bieten.

Deine Erfahrungen

Ich freue mich, falls du mich mit einem Kommentar unter diesem Blog-Artikel wissen lässt, wie es dir mit den Übungen ergangen ist, ob sie dir gut tun, welche Fragen oder Anregungen du hast! Ganz lieben Dank

Falls du selbst Erfahrungen mit Burnout hast und diese hier mit unserer Gemeinschaft teilen möchtest, danke ich dir für deine Offenheit!

Angela

Angela Cooper, MBA, Akademieleitung

Fotografie (Qigong-Serie): Dieter Decker

PS: Ich freue mich sehr, dass ich mein TCM-Burnout-Modell (die 7 Energiephasen des Burnout-Syndroms) auch in der deutschen Fachzeitschrift für Qigong und Taijiquan „Netzwerk-Magazin“ 2019 vorstellen durfte. Informationen zum Taijiquan- und Qigong-Netzwerk Deutschland findest du hier:   Netzwerk

Die Autorin: Angela Cooper, MBA für Gesundheits- und Sozialmanagement, Leiterin der Qigong Akademie Cooper in Wien, unterrichtet seit dem Jahr 2000 Qigong u.a. an der Akademie der Wissenschaften, Zentrum für Molekulare Medizin, Vital-Akademie, GEA-Akademie, Peugeot, Wella, Taiji-Schule-Jena. Sie ist zertifizierte IQTÖ-Qigong-Ausbilderin, Dipl. Tanz-Pädagogin, Dipl. Entspannungstrainerin, Dipl. TCM-Energetikerin, Dipl. Kinesiologie-Stressberaterin, dipl. Psychologische Beraterin, sie entwickelte diese Qigong-Form als TCM-Burnout-Prophylaxe entsprechend ihres 2012 in ihrer Master Thesis entwickelten TCM-Burnout-Modells. www.qi.at

PS: Möchtest du weitere Qigong/TCM-Tipps erhalten?

Hier kannst du dich eintragen, um ca. alle zwei Wochen kostenlos Übungen und Informationen per Mail zu erhalten:

Deine Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Du kannst dich jederzeit mit nur einem Klick abmelden, wenn du keine Übungen oder Tipps mehr erhalten möchtest.

PS: Seminar-Tipp – Gesundheit tanken mit Qigong und TCM

Wenn du mehr über Qigong erfahren möchtest, findest du hier aktuelle Qigong-Seminare und Ausbildungen.

Beitrag kommentieren